Deutsch / C1

Der Fuchs und das Pferd

Short story

Ein Bauer besaß ein Pferd, das ihm über viele Jahre treu gedient hatte. Als das Tier alt geworden war und die Arbeit auf dem Acker nicht mehr bewältigen konnte, war der Bauer allerdings nicht länger bereit, es zu füttern.

„Gebrauchen kann ich dich eigentlich nicht mehr“, sagte er. Dennoch behauptete er, es gut mit dem Pferd zu meinen: Wenn es ihm einen Löwen herbeischaffe und damit beweise, wie stark es noch sei, dürfe es bleiben. Vorerst solle es jedoch seinen Stall verlassen. Mit diesen Worten jagte er es hinaus.

Das Pferd ging traurig zum Wald, wo es Schutz vor dem Wetter suchte. Unterwegs begegnete ihm ein Fuchs, der wissen wollte, weshalb es so niedergeschlagen und einsam umherzog.

Das Pferd erklärte, sein Herr habe all die Dienste vergessen, die es ihm geleistet hatte. Seit es den Acker nicht mehr ordentlich bearbeiten könne, wolle er ihm kein Futter mehr geben. Nun habe er es auch noch fortgejagt.

Ob ihm denn gar keine Hoffnung geblieben sei, fragte der Fuchs. Darauf erzählte das Pferd von der Bedingung seines Herrn: Es müsse ihm einen Löwen bringen. Das sei ein schlechter Trost, denn der Bauer wisse schließlich selbst, dass es dazu nicht imstande sei.

Der Fuchs versprach zu helfen. Auf seine Anweisung hin legte sich das Pferd ausgestreckt auf den Boden und blieb vollkommen reglos liegen, als sei es tot.

Nun suchte der Fuchs einen Löwen auf, dessen Höhle nicht weit entfernt lag. Er berichtete von dem vermeintlich toten Pferd und stellte dem Löwen eine üppige Mahlzeit in Aussicht. Der Löwe begleitete ihn zu dem reglosen Tier.

Dort schlug der Fuchs vor, den Schwanz des Pferdes am Löwen festzubinden. Auf diese Weise könne der Löwe seine Mahlzeit in die Höhle ziehen und sie dort in aller Ruhe verzehren. Der Vorschlag gefiel ihm, und er hielt still, damit der Fuchs das Pferd an ihm befestigen konnte.

Der Fuchs nutzte das jedoch anders, als der Löwe erwartete: Er schlang den Pferdeschwanz um dessen Beine und schnürte sie so fest zusammen, dass keine Kraft die Fesseln zerreißen konnte. Dann klopfte er dem Pferd auf die Schulter und rief ihm zu, es solle ziehen.

Sofort sprang das Pferd auf und zog den Löwen hinter sich her. Dieser brüllte derart laut, dass die Vögel im ganzen Wald erschrocken aufflogen. Das Pferd ließ sich davon nicht aufhalten und schleppte ihn über das Feld bis vor die Tür seines Herrn.

Beim Anblick des Löwen besann sich der Bauer eines Besseren. Er versprach dem Pferd, dass es bleiben dürfe und es gut haben werde. Tatsächlich gab er ihm bis zu seinem Tod genug zu fressen.


English summary · includes the ending

A farmer sends away his old horse because it can no longer work properly in the fields. He says the horse may stay only if it brings him a lion. The sad horse meets a fox near the forest and explains what has happened.

The fox offers to help. He tells the horse to lie still and look dead. Then he brings a lion over, promising it a good meal. He offers to tie the horse’s tail to the lion so the lion can pull the horse into its cave and eat there.

The lion agrees and stands still. Instead, the fox uses the horse’s tail to tie the lion’s legs together. At the fox’s signal, the horse jumps up and drags the roaring lion to the farmer’s door.

The farmer changes his mind. He lets the horse stay and gives it plenty of food for the rest of its life.

Adapted for Lejrbål from the credited source.
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