Deutsch / C1
Die drei Spinnerinnen
Eine junge Frau war faul und wollte nicht spinnen. So sehr ihre Mutter auch auf sie einredete, sie konnte ihre Tochter nicht dazu bringen, Pflanzenfasern zu Garn zu verarbeiten. Schließlich schlug die Ungeduld der Mutter in Zorn um: Sie schlug die junge Frau, die daraufhin so laut weinte, dass die vorbeifahrende Königin es auf der Straße hörte.
Die Königin ließ ihren Wagen anhalten und betrat das Haus. Warum die Mutter ihre Tochter schlage, fragte sie, und zwar so heftig, dass deren Schreien draußen zu hören sei. Die Mutter schämte sich, die Faulheit ihrer Tochter zuzugeben, und verwandelte deren Untätigkeit kurzerhand in übermäßigen Fleiß. Sie könne ihre Tochter gar nicht vom Spinnen abhalten, behauptete sie. Ihr fehle lediglich das Geld, um genügend Flachs zu beschaffen.
Damit hatte sie genau das Richtige gesagt. Die Königin liebte das Geräusch der Spinnräder und nahm die junge Frau bereitwillig mit ins Schloss, wo es an Material nicht mangelte. Sie zeigte ihr drei bis oben mit Flachs gefüllte Zimmer und stellte ihr eine ungewöhnliche Belohnung in Aussicht: Wenn sie alles verspann, durfte sie den ältesten Königssohn heiraten. Die Armut der Familie sei kein Hindernis; ihr unermüdlicher Fleiß sei ausreichend.
Die junge Frau erschrak. Nicht einmal in dreihundert Jahren hätte sie diesen Berg bewältigen können, selbst wenn sie täglich vom Morgen bis zum Abend gearbeitet hätte. Statt anzufangen, saß sie drei Tage lang weinend da. Der Königin erklärte sie schließlich, der Kummer über die Trennung von ihrer Mutter habe sie bisher an der Arbeit gehindert. Die Königin ließ diese Entschuldigung gelten, verlangte jedoch, dass sie am nächsten Tag begann.
Als die junge Frau wieder allein war, trat sie in ihrer Ratlosigkeit ans Fenster. Drei Frauen kamen vorbei und bemerkten ihren Kummer. Eine hatte einen breiten, flachen Fuß, eine eine Unterlippe, die über das Kinn herabhing, und eine einen auffallend breiten Daumen. Nachdem sie die Notlage gehört hatten, boten sie an, den Flachs in kurzer Zeit zu verspinnen.
Dafür verlangten sie weder Geld noch einen Anteil an der königlichen Belohnung. Die junge Frau sollte sie zur Hochzeit einladen, sie ihre Cousinen nennen, sich ihrer nicht schämen und ihnen einen Platz an ihrem Tisch geben. Sie erklärte sich sofort einverstanden und ließ die drei herein.
Jede übernahm ihren Teil: Die erste zog den Faden und trat das Rad, die zweite befeuchtete den Faden, die dritte drehte ihn und schlug mit dem Finger auf den Tisch. Mit jedem Schlag fiel eine Menge feinsten Garns zu Boden. Ein Zimmer nach dem anderen wurde leer. Die junge Frau verbarg die Spinnerinnen vor der Königin, die angesichts des Ergebnisses gar nicht aufhörte, sie zu loben.
Nach getaner Arbeit verabschiedeten sich die Helferinnen. Sie solle ihr Versprechen nicht vergessen, mahnten sie, denn es werde ihr Glück sein. Als die Königin die leeren Zimmer und den großen Garnhaufen sah, ließ sie die Hochzeit ausrichten. Der Bräutigam pries die Geschicklichkeit und den Fleiß seiner künftigen Frau.
Die Braut bat darum, drei Cousinen einzuladen, denen sie viel verdanke und die sie in ihrem Glück nicht vergessen wolle. Königin und Prinz stimmten zu. Beim Fest erschienen die drei in ungewöhnlicher Kleidung und wurden von der Braut ausdrücklich als ihre lieben Cousinen begrüßt.
Der Prinz wunderte sich über diese Verwandtschaft und fragte die Frauen einzeln nach ihren auffälligen Merkmalen. Der breite Fuß komme vom Treten, antwortete die erste. Die hängende Lippe komme vom Lecken, also vom ständigen Befeuchten des Fadens, erklärte die zweite. Den breiten Daumen habe das Drehen des Fadens verursacht, sagte die dritte.
Dem Königssohn genügte diese Auskunft. Er erklärte erschrocken, seine schöne Braut solle niemals ein Spinnrad anrühren. Damit war die junge Frau das verhasste Spinnen endgültig los: Der angebliche Fleiß hatte ihr einen Prinzen eingebracht, und die wirklichen Spinnerinnen hatten dafür gesorgt, dass sie ihn nie unter Beweis stellen musste.
English summary · includes the ending
A young woman refuses to spin, so her angry mother hits her. The passing queen hears her crying and asks what happened. Ashamed, the mother claims her daughter loves spinning so much that she cannot supply enough material. The queen takes the young woman to her palace and promises her son in marriage if she spins three rooms of flax.
Unable to complete the task, the daughter accepts help from three unusual women. In return, she must invite them to her wedding, call them her cousins and let them sit at her table. They finish the work, and she keeps her promise.
At the wedding, the prince asks about their broad foot, hanging lip and broad thumb. They explain that constant spinning caused these changes. Alarmed, he declares that his beautiful wife must never touch a spinning wheel. She marries the prince and escapes the work she always hated.
Adapted for Lejrbål from the credited source.
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