Deutsch / B2

Die drei Spinnerinnen

Short story

Eine junge Frau war faul und ließ sich von ihrer Mutter nicht zum Spinnen bewegen. Dabei hätte sie aus Pflanzenfasern Fäden für Stoff herstellen sollen. Die Mutter konnte sagen, was sie wollte: Ihre Tochter blieb untätig. Schließlich verlor sie die Geduld, schlug sie und brachte sie damit zum lauten Weinen.

Die Königin, deren Wagen gerade vorbeifuhr, ließ anhalten und trat ins Haus. Sie wollte wissen, warum die Mutter ihre Tochter so schlug, dass man das Schreien auf der Straße hörte. Aus Scham über die Faulheit der Tochter erzählte die Mutter genau das Gegenteil. Das Mädchen wolle ununterbrochen spinnen, behauptete sie, doch sie selbst sei zu arm, um immer neuen Flachs zu beschaffen.

Diese angebliche Begeisterung gefiel der Königin. Sie nahm die Tochter ins Schloss mit und führte sie in drei Zimmer, die bis oben mit Flachs gefüllt waren. Wenn die junge Frau daraus Fäden machte, sollte sie den ältesten Königssohn heiraten. Ihre Armut spiele keine Rolle; so großer Fleiß sei wertvoll genug.

Die junge Frau erschrak. Selbst in einem unglaublich langen Leben hätte sie diese Menge nicht verarbeiten können. Drei Tage saß sie weinend da, ohne anzufangen. Als die Königin nachfragte, erklärte sie, die Trennung von ihrer Mutter mache sie zu traurig für die Arbeit. Diese Entschuldigung wurde akzeptiert, allerdings nur bis zum nächsten Morgen.

Ratlos trat sie ans Fenster. Dort sah sie drei Frauen: eine mit einem ungewöhnlich breiten Fuß, eine mit einer über das Kinn hängenden Unterlippe und eine mit einem breiten Daumen. Sie fragten nach ihrem Kummer und boten an, den gesamten Flachs in kurzer Zeit zu spinnen.

Ihr Preis war eine Einladung zur Hochzeit. Die junge Frau sollte sie als ihre Cousinen begrüßen, sich ihrer nicht schämen und sie an ihrem eigenen Tisch sitzen lassen. Sie versprach es gern und ließ die Helferinnen herein.

Die drei teilten sich die Arbeit. Eine zog den Faden und bewegte das Rad mit dem Fuß, eine befeuchtete den Faden, und eine drehte ihn. Ihr Garn war besonders fein, und die Zimmer leerten sich nacheinander. Vor der Königin blieben die Frauen verborgen; diese sah nur das Ergebnis und war begeistert.

Nachdem die Arbeit fertig war, verabschiedeten sich die Helferinnen und erinnerten die junge Frau an ihr Versprechen. Die Königin ließ die Hochzeit vorbereiten, und der Bräutigam freute sich über eine so geschickte, fleißige Frau.

Die Braut bat darum, ihre drei Cousinen einzuladen, da sie ihr viel Gutes getan hätten. Königin und Prinz hatten nichts dagegen. Als die Frauen zum Fest kamen, begrüßte die Braut sie wie versprochen.

Der Prinz betrachtete die Gäste mit Erstaunen. Den breiten Fuß erklärte die erste mit dem ständigen Treten des Spinnrades. Die zweite führte ihre hängende Lippe auf das Befeuchten der Fäden mit der Zunge zurück; die dritte ihren breiten Daumen auf das Drehen.

Entsetzt erklärte der Prinz, seine schöne Frau dürfe niemals ein Spinnrad berühren. Genau die Arbeit, die ihr angeblich die Ehe eingebracht hatte, musste sie nun nie mehr erledigen.


English summary · includes the ending

A young woman refuses to spin, so her angry mother hits her. The passing queen hears her crying and asks what happened. Ashamed, the mother claims her daughter loves spinning so much that she cannot supply enough material. The queen takes the young woman to her palace and promises her son in marriage if she spins three rooms of flax.

Unable to complete the task, the daughter accepts help from three unusual women. In return, she must invite them to her wedding, call them her cousins and let them sit at her table. They finish the work, and she keeps her promise.

At the wedding, the prince asks about their broad foot, hanging lip and broad thumb. They explain that constant spinning caused these changes. Alarmed, he declares that his beautiful wife must never touch a spinning wheel. She marries the prince and escapes the work she always hated.

Adapted for Lejrbål from the credited source.
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