Deutsch / B2

Der Blinde und der Lahme

Short story

Ein Mann, der nicht gehen konnte, begegnete auf der Straße zufällig einem blinden Mann. Dieser schöpfte sofort Hoffnung: Vielleicht würde ihm der andere helfen und ihn sicher führen.

Sein Gegenüber musste diese Erwartung zunächst einschränken. „Dir helfen? Ich kann selbst nicht gehen“, erklärte er. Doch dann wies er auf die kräftigen Schultern des blinden Mannes hin. Sie schienen durchaus geeignet, eine Last zu tragen.

„Wenn du bereit bist, mich auf deinem Rücken mitzunehmen, sage ich dir, welchen Weg du gehen sollst. Dann werden deine starken Beine auch für mich gehen, und meine Augen werden auch für dich sehen.“

Der Mann, der nicht gehen konnte, stieg mit seinen Stützen auf den breiten Rücken des anderen. Gemeinsam gelang den beiden nun, was jedem für sich unmöglich gewesen war: Der eine konnte tragen, der andere konnte führen.

Menschen besitzen unterschiedliche Fähigkeiten. Was der eine hat, fehlt vielleicht dem anderen, und gerade daraus entsteht die Möglichkeit gegenseitiger Hilfe. Würde niemand etwas vermissen, hätte er auch weniger Anlass, sich um andere zu kümmern. Ein Vorteil, den zunächst nur einer besitzt, kann durch Zusammenarbeit beiden zugutekommen.


English summary · includes the ending

A man who cannot walk meets a blind man on the street. The blind man is pleased, because he hopes that the other man will guide him. However, the stranger explains that he cannot walk himself.

Then he notices the blind man's strong shoulders and suggests a way for them to help each other. If the blind man carries him, he can give directions. One man's legs will serve them both, while the other man's eyes will guide their journey.

Taking his walking supports with him, the man climbs onto the blind man's broad back. Together they can now achieve something that neither could manage alone.

The fable ends by extending this idea to people in general. Different abilities can become a reason for cooperation. Instead of only complaining about what we lack, we can share what we have and benefit from one another's strengths.

Adapted for Lejrbål from the credited source.
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